Versicherungen gehören für Eigentümer und Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) zur grundlegenden Absicherung von Immobilien. Gleichzeitig sind sie ein Bereich, in dem viele Entscheidungen historisch gewachsen, selten überprüft und nicht immer sachgerecht getroffen werden. Häufig bestehen entweder Versicherungslücken oder Policen, deren Leistungen nicht mehr zum Objekt passen.
Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick, welche Versicherungen für Eigentümer und WEGs wirklich notwendig sind, welche ergänzend sinnvoll sein können und wo in der Praxis typische Risiken entstehen.
Grundlagen: Wer ist bei einer WEG eigentlich versichert?
Eine der häufigsten Ursachen für Missverständnisse ist die fehlende Abgrenzung zwischen Gemeinschaftseigentum und Sondereigentum.
- Gemeinschaftseigentum (z. B. Dach, Fassade, Treppenhaus, Leitungen) wird durch die WEG abgesichert.
- Sondereigentum (Wohnungseinheit, Innenausstattung) fällt in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Eigentümers.
Versicherungen der WEG betreffen grundsätzlich das gesamte Gebäude und gemeinschaftliche Risiken. Private Zusatzversicherungen einzelner Eigentümer ersetzen diesen Schutz nicht.
Versicherungen für Eigentümer & WEGs
Für Eigentümer und WEGs bestehen eine Vielzahl an Versicherungsoptionen am Markt. Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick über die gängigsten Versicherungen.
Wohngebäudeversicherung
Die Wohngebäudeversicherung ist die zentrale und faktisch unverzichtbare Versicherung für jede WEG und jeden Eigentümer eines Mehrfamilienhauses.
Sie deckt in der Regel Schäden ab durch:
- Feuer
- Leitungswasser
- Sturm und Hagel
Abgesichert sind dabei das Gebäude selbst sowie fest verbaute Bestandteile.
Wichtig in der Praxis:
Die Versicherungssumme muss regelmäßig überprüft werden. Gerade bei älteren Verträgen besteht ein hohes Risiko der Unterversicherung, etwa nach Sanierungen oder Modernisierungen.
Haftpflichtversicherung
Eine weitere essenzielle Absicherung ist die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht. Sie greift, wenn Dritte durch das Gebäude oder das Grundstück zu Schaden kommen, etwa durch:
- herabfallende Dachziegel
- Glätteunfälle
- mangelnde Verkehrssicherung
Ohne ausreichenden Haftpflichtschutz können erhebliche finanzielle Risiken für die Gemeinschaft entstehen.
Sinnvolle Zusatzversicherungen für Eigentümer & WEGs
Elementarschadenversicherung
Die Elementarschadenversicherung ergänzt die Wohngebäudeversicherung um Risiken wie:
- Hochwasser
- Starkregen
- Rückstau
- Erdrutsch oder Erdbeben
Ob diese Versicherung sinnvoll ist, hängt stark von der Lage des Gebäudes ab. In vielen Regionen ist sie inzwischen kaum noch verzichtbar, während sie in anderen Fällen eine bewusste Abwägungsentscheidung bleibt.
Glasversicherung und weitere Zusatzbausteine
Je nach Objekt können weitere Versicherungen sinnvoll sein, etwa:
- Glasversicherung (große Glasflächen, Gewerbeeinheiten)
- Gewässerschadenhaftpflicht (bei Öltanks)
- Bauleistungsversicherung bei größeren Maßnahmen
Diese Policen sind nicht pauschal notwendig, sondern sollten objektbezogen geprüft werden.
Haftungsfragen und typische Versicherungslücken
Fehlt eine notwendige Versicherung oder ist sie unzureichend ausgestaltet, können Haftungsfragen entstehen:
- gegenüber geschädigten Dritten
- innerhalb der WEG
- gegenüber Verwaltern oder Beiräten
Besonders problematisch ist dies bei bekannten Risiken, die nicht abgesichert wurden.
Unterversicherung als unterschätztes Risiko
Unterversicherung entsteht, wenn der Versicherungswert des Gebäudes nicht dem tatsächlichen Wiederherstellungswert entspricht. Ursachen sind häufig:
- alte Versicherungssummen
- fehlende Anpassung nach Sanierungen
- steigende Baukosten
Im Schadensfall führt dies zu gekürzten Leistungen, obwohl grundsätzlich Versicherungsschutz besteht.
Praxis: Häufige Fehler von Eigentümern & WEGs
In der Beratungspraxis zeigen sich immer wieder ähnliche Muster:
- Versicherungen werden jahrzehntelang nicht überprüft
- Zusatzversicherungen werden pauschal abgelehnt oder ungeprüft abgeschlossen
- Sanierungen werden nicht in den Versicherungsschutz eingearbeitet
Diese Fehler lassen sich vermeiden, wenn Versicherungen als laufender Bestandteil der Objektsteuerung verstanden werden.
Wann sollten Versicherungen überprüft werden?
Eine Überprüfung des Versicherungsschutzes ist insbesondere sinnvoll:
- nach Sanierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen
- bei deutlichen Kostensteigerungen im Bauwesen
- bei Änderung der Nutzung
- in regelmäßigen Abständen (z. B. alle 3–5 Jahre)
Gerade bei älteren Gebäuden ist dies ein wesentlicher Beitrag zur Risikominimierung.
Fazit: Klarheit statt Über- oder Unterversicherung
Eigentümer und WEGs benötigen keinen möglichst umfangreichen, sondern einen passenden Versicherungsschutz. Die Wohngebäudeversicherung und eine Haftpflichtabsicherung sind unverzichtbar. Weitere Versicherungen sollten objektbezogen, lageabhängig und wirtschaftlich geprüft werden.
Wer seine Versicherungen regelmäßig überprüft und an die tatsächlichen Gegebenheiten anpasst, reduziert Risiken und vermeidet unangenehme Überraschungen im Schadensfall.